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20.11.2008

Im Interview: Joachim Stahlschmidt und Volkhard Trust

Volkhard Trust (links) und Joachim Stahlschmidt

Die Redaktion der Zeitschrift „Die Schultüte“ befragte die beiden Vorstandsvertreter Volkhard Trust, hauptamtlich als Leiter der Gesamtschule tätig und  Joachim Stahlschmidt, hauptamtlich als Geschäftsführer des Trägervereins tätig.

Schultüte: Fangen wir mit einer Frage an, die schon an manchen Stellen beantwortet wurde und nachzulesen ist, aber vielen Eltern und Lehrern doch noch nicht ganz klar ist: Kann man kurz zusammenfassen, was eigentlich das Matthias-Claudius-Sozialwerk ist?

Volkhard Trust: Versuchen wir es: Bislang stand MCS für die Matthias-Claudius-Schulen (Grund- und Gesamtschule) und ihren integrativen Bildungsauftrag aus christlichem Selbstverständnis.
Aber wenn man einmal anfängt sich mit Integration und Gesellschaft zu beschäftigen, dann hört die Beschäftigung nicht bei Schule und  Bildung auf, sondern es finden sich immer mehr Aspekte im Leben, die gestaltet werden wollen. Quasi: Von der Wiege bis zum Schluss – alles mit Matthias Claudius. So hat es unsere erste Schulleiterin an der Gesamtschule, Ursel Tillmanns schon in der Aufbauphase griffig auf den Punkt gebracht.
Die Frage der Zukunft könnte darum lauten: Wie können wir – als Junge und Alte, Menschen mit und ohne Behinderung – in einer sich wandelnden Gesellschaft solidarisch leben, wohnen und arbeiten?
Da können  wir nicht mehr nur allein  über Schule nachdenken ,  sondern müssen in unsere Überlegungen über Kindergarten, das gemeinsame Wohnen in Form des Integrativen Mehr-Generationen-Wohnens und  die Bildung im außerschulischen Bereich, wie z.B. die Juniorakademie, einbeziehen.
Unser Aufgabenfeld entwickelt sich also weiter und entsprechend war es notwendig, eine Organisationsform zu finden, in der wir den verschiedenen  Aufgaben auch gerecht werden können. Unter dem Dach des Matthias-Claudius-Sozialwerkes Bochum e.V. können diese Aufgaben und Arbeitsfelder angegangen werden. Hier können die einzelnen Einrichtungen als  juristisch und wirtschaftlich selbstständig nun  unter  einer gemeinsamen Zielvorstellung arbeiten.

Schultüte: Die meistgestellte Rückfrage in den Elterngesprächen über den neuen Schulförderverein ist: „Ich bin doch als Elternbeitrag zahlendes Elternteil längst Mitglied im Förderverein...“ Stimmt das denn nicht?

Joachim Stahlschmidt: Die Mitgliedschaft im ehemaligen Förderverein MCS (jetzt Sozialwerk) wurde über eine Antragsstellung und Entscheidung des Vorstands über den Antrag erworben. Eine automatische Mitgliedschaft im FV in Verbindung mit dem Schulvertrag bestand nicht. Seit etlichen Jahren war es dabei die absolute Ausnahme, dass Eltern einen Antrag auf Mitgliedschaft im Förderverein gestellt haben.

Schultüte: Die nächsten Fragen beschreiben mehr eine Sorge: „Woher nimmt das neue Sozialwerk eigentlich das Geld für seine Projekte? Kann denn einfach so mein Elternbeitrag oder das Vermögen, dass Eltern mit ihren Beiträgen in den vergangenen Jahren angehäuft haben für schulfremde Zwecke benutzt werden?“

Joachim Stahlschmidt: Es ist sichergestellt, dass Mittel des Elternbeitrages oder sonstige Mittel, die für den Betrieb der Schulen oder für schulische Sonderprojekte bestimmt sind, ausschließlich diesem Bestimmungszweck zugeführt werden und nicht in andere Projekte des Sozialwerkes fließen. Die Mittel für die übrigen Projekte fließen dem Sozialwerk durch entsprechende zweckgebundene Spenden, Darlehnsaufnahme und zukünftige Einnahmen, z.B. des Wohnprojekts, zu.

Volkhard Trust: Für mich sind hier noch zwei weitere Aspekte sehr wichtig. Die Sorge, woher das Geld zur Finanzierung der ambitionierten Projekte herkommen soll, ist ja nicht neu. Bei der Gründung von Grund- und Gesamtschule und bei der Realisierung der umfangreichen Bauprojekte ist sie immer wieder geäußert worden. Damals wie heute kann ich sagen: „Wo Gott führt, sorgt er auch!“ Und das gilt auch für die Finanzen. So verdichten sich z.B.  beim aktuellen Integrativen Mehr-Generationen-Wohnen-Projekt die Hinweise, dass wir mit diesem Gottvertrauen nicht auf Sand bauen.
Das Zweite möchte ich mit einem Bild einleiten:  Ein Ehepaar mit zwei Kindern, so um die 10 Jahre alt, entschließt sich für weiteren Nachwuchs, also nicht allein für ein Nesthäkchen.  Bei den Reaktionen der älteren Kinder treten  zunächst mehr  die vielfältigen Verlustängste zum Vorschein (z.B. Verlust an ungeteilter Zuwendung und Zeit, Befürchtung materieller Einschränkungen) als die Freude über den Gewinn an Vielfalt, neuem Leben, Ergänzung durch die zu erwartenden Geschwister. Schwingen diese Sorgen und Ängste hier nicht auch  mit, wenn es um den „Nachwuchs“ in der MCS-Familie geht?  Wird nicht insgeheim oder offen die Frage gestellt, auf was wir möglicherweise verzichten müssen?  Was die Mitverwendung angeht, hat Joachim Stahlschmidt eine unmissverständliche Antwort gegeben, der nichts hinzuzufügen ist. Natürlich wird auch weiterhin in die pädagogische Arbeit und in Dach und Fach bei den Schulgebäuden investiert. Der Ausbau der Grundschule zur Ganztagsgrundschule ist ein beredtes Beispiel dafür. Aber im Blick auf Ausstattung und Einrichtung wird auch deutlich: wir müssen den Schulförderverein jetzt neu aufstellen und fest verankern in der aktuellen Schulgemeinschaft. Wir brauchen neue Förderer und Sponsoren, z.B. ehemalige Schüler und Eltern! Wir brauchen diese Mitstreiter, die helfen, den „Plusfaktor“, das Mehr an unseren Schulen mitzufinanzieren. Ansonsten kommen wir unabhängig von den geplanten neuen Vorhaben an unsere Grenzen.

Schultüte: Was ist aus den Mitgliedern des aufgelösten  Fördervereins geworden? Sind die automatisch Mitglied im Matthias-Claudius-Sozialwerk oder im Schulförderverein geworden?

Joachim Stahlschmidt: Die Mitglieder treten aus dem ehemaligen Förderverein – jetzt Sozialwerk – aus und entscheiden, ob sie einen Antrag auf Mitgliedschaft im Schulförderverein stellen. Denn im Sozialwerk kann man als natürliche Person gar nicht Mitglied sein. Das Sozialwerk besteht aus Kirchengemeinden, -verbänden und Diakonischen Werken.

Schultüte: Man kann also persönlich nicht Mitglied im Matthias-Claudius-Sozialwerk werden?

Joachim Stahlschmidt:  Genau! Die Mitglieder des Sozialwerkes sind allein Kirchengemeinden, -verbände und Diakonische Werke.

Volkhard Trust: Ich würde auch fragen wollen: Macht eine Mitgliedschaft, z.B. von Eltern und Ehemaligen, im Sozialwerk Sinn? Als wir in der Bauphase den Zweck des Fördervereins um die Aufgaben für die Erstellung der Gebäude erweitert haben, haben sich immer mehr Personen aus der aktiven Mitarbeit im Förderverein zurückgezogen. Die Themen, Aufgaben und Verantwortungen wurden immer komplexer und umfangreicher und bewegten sich mehr und mehr aus ihrem Gesichtsfeld von Schule und Klasse heraus. Das wird nun mit dem Schulförderverein wieder anders. Hier kann jeder vor Ort, z.B.  in Schulprojekten, etwas bewegen.

Schultüte: Wie ist der Stand des aktuellen Wohnprojektes des Sozialwerkes?

Joachim Stahlschmidt: Der Architektenwettbewerb ist abgeschlossen. Das Büro Heinle, Wischer und Partner wird die Planungen des Integrativen-Mehr-Generationen-Wohnen durchführen. Nach den Herbstferien werden wir verstärkt an die Öffentlichkeit gehen, um für Interessenten zu werben. Je früher man sich eine Option auf eine Wohnung, ein Haus im Wohnprojekt sichert, um so mehr kann man beim Entwicklungsprozess von Gebäude und Gemeinschaft mitgestalten. Diese Beteiligungsmöglichkeit ist uns sicher wichtig. Wenn alles reibungslos läuft, planen wir den Baubeginn für Sommer 2008 und die Fertigstellung für Herbst 2009.

Schultüte: Das alles ist doch mit hohem zeitlichen Aufwand verbunden? Wird das alles ehrenamtlich geleistet oder hat das Sozialwerk auch hauptamtliche Mitarbeiter?

Joachim Stahlschmidt: Das Sozialwerk hat hauptamtliche Mitarbeiter, und zwar diejenigen, die bereits beim Förderverein angestellt waren. Diese sind jedoch nicht mit Aufgaben des Wohnprojektes beschäftigt. Die Planungsarbeit zum Wohnprojekt wird  z. Zt. weitgehend  ehrenamtlich bzw. von einigen wenigen hauptamtlichen Personen des Trägervereins neben den bestehenden Aufgaben geleistet. Hinzu kommen einzelne Personen, die auf Honorarbasis im Rahmen von Teilprojekten tätig sind.

Volkhard Trust: Bei deiner Antwort, Joachim, sehe ich schon das besorgte Stirnrunzeln einiger Leser, ob das denn gut gehen mag? Manchmal gewinne ich sogar den Eindruck, dass manche unser Engagement sogar  kritisch beäugen und sich fragen, ob wir noch mit ganzem Herzen und ganzem Einsatz bei unseren anderen Aufgaben im Hauptamt sind. Ich kann alle beruhigen: Wir wissen um die Grenzen unserer Belastbarkeit. Und: Auch wenn die „Kleinen“ zurzeit  vermehrte Zuwendung brauchen, setzen wir uns weiterhin mit ganzer Hingabe für die Menschen und Sachen ein, für die wir im Hauptamt Verantwortung übernommen haben!

Schultüte: Gibt es neben dem Wohnprojekt schon weitere Planungen für Tätigkeitsfelder des Sozialwerkes?

Joachim Stahlschmidt: Keine konkreten Planungen – im Rahmen des Wohnprojektes werden jedoch mehrere unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte angesprochen.

Volkhard Trust: Vielleicht sollte hier noch erwähnt werden, dass wir der Stadt Bochum gegenüber unsere grundsätzliche Bereitschaft erklärt haben, bei einem Trägerwechsel auch die Trägerschaft einer Kindertageseinrichtung zu übernehmen. Konkrete Verhandlungen gibt es hier allerdings nicht.